Dr. Paul Scheibenpflug

Dr. Paul Scheibenpflug

Gesünder bewegen – gesünder arbeiten

Sport- und Kommunikationswissenschafter, seit 1992 im Dienst betrieblicher Gesundheitsförderung und Prävention

Arbeit
Gesundheit
Gesünder bewegen – gesünder arbeiten

Sport- und Kommunikationswissenschafter, seit 1992 im Dienst betrieblicher Gesundheitsförderung und Prävention

Arbeit
Gesundheit

(Neue) Leitmerkmalsmethoden

Warum Leitmerkmalsmethoden

Die von der deutschen BAuA (Bundesanstalt für Arbeitsmedizin in Dortmund) haben für sechs wesentliche Bewegungsformen Leitmerkmale formuliert, mit deren Hilfe Belastungen für den Bewegungs- und Stützapparat eingeschätzt werden können. 

Table of Contents

Je öfter, je schwerer eine Last, womöglich in ungünstiger Körperhaltung manipuliert werden muß, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit, daß Beschäftigte kurzfristig Leistungsverluste und längerfristig Beschwerden und typische Erkrankungsbilder des Muskel-Skelett-Systems in den belastungstypischen Körperregionen bekommen können.

Rechtlicher Rahmen (ASchG)

"Im Rahmen der Ermittlung und Beurteilung der Gefahren insbesondere die Merkmale der Last, den erforderlichen körperlichen Kraftaufwand, die Merkmale der Arbeitsumgebung und die Erfordernisse der Aufgabe zu berücksichtigen."

ASchG § 64 (3)

"Arbeitnehmer, die mit der manuellen Handhabung von Lasten beschäftigt werden, müssen Angaben über die damit verbundene Gefährdung des Bewegungs- und Stützapparates sowie nach Möglichkeit auch genaue Angaben über das Gewicht und die sonstigen Merkmale der Lasten erhalten. Die Arbeitnehmer müssen genaue Anweisungen über die sachgemäße Handhabung von Lasten und Angaben über die bestehenden Gefahren bei unsachgemäßer Handhabung erhalten."

ASchG § 64 (5)

Arbeitsvorgänge sind so zu gestalten, dass Zwangshaltung möglichst vermieden wird und Belastungen durch monotone Arbeitsabläufe, einseitige Belastung, Belastungen durch taktgebundene Arbeiten und Zeitdruck sowie sonstige psychische Belastungen möglichst gering gehalten und ihre gesundheitsschädigenden Auswirkungen abgeschwächt werden.

ASchG § 60 (2)

Einsatzmöglichkeiten

Risikobewertung

Die klassische Vorgangsweise:

Geleitet von aufgabentypischen Merkmalen, wie Lastgewicht, Häufigkeit, Ausführungsbedingungen usw. werden konkrete Arbeitsbelastungen nach einem Punktesystem bewertet.

Nachteile:

Die Bewertung bezieht sich auf einen Beobachtungszeitpunkt. Viele Arbeiten sind nicht regelmäßig, bzw. saisonbedingt unterschiedlich häufig oder intensiv.

Nicht ermittelt werden grenzwertige Belastungen.

Grenzwertige Umfänge

Kaum angewendet:

Durch Umformung der zugrundeliegenden Formeln kann ermittelt werden, ab wann (ab welcher Last etc.) Handlungsbedarf für vermindert bzw. normal belastbare Personen besteht.

Berechnung von Szenarios

Berechnung der Veränderung des erwartbaren Risikos bei Umsetzung verschiedener Maßnahmen.

Beispiel: Krankenbetttransport

250 kg schweres Bett mit durchschnittlich 70 kg schweren Patienten.

Als Durchschnittsgeschwindigkeit wurde standardgemäß 42m/min. angenommen.

 

Risikobewertung: Eine Strecke von 9 km wäre für Männer im oberen Risikobereich 3 anzusiedeln, für Frauen ist eine körperliche Überbeanspruchung wahrscheinlich.

Grenzwertige Umfänge: es wurde der grenzwertige Zeitfaktor unter Beibehaltung der anderen Leitmerkmalsergebnisse errechnet (siehe Tabelle rechts): daraus kann man bereits ersehen, ab wann Maßnahmen entwickelt und umgesetzt werden sollten.

Szenario-Berechnung: Dem derzeitigen Status Quo (Berechnung nach den Belastungsformen Ziehen/Schieben (ZS) und Körperfortbewegung (KFB), differenziert nach den Ergebnissen für Männer bzw. für Frauen wurde die erwartbare Belastung bei der Verwendung eines Flurförderfahrzeuges mit ausklappbarer Plattform (Mitfahrt möglich) gegenübergestellt.

Weiterer Vorteil: da das Flurfahrzeug auf 6 km/h ausgelegt ist, ist auch der Zeitfaktor geringer.